Samstag, 14. Juli 2012

Guinea Pig ギニーピッグ


Guinea Pig ist eine Reihe japanischer Kurzfilme, bestehend aus 6 unabhängigen Werken. Durch mehrmaliges Auftreten in den Medien dürften diese Filme wohl zu den bekanntesten Vertretern des Genres gehören. Sie bestechen vorallem durch extreme Gewaltdarstellungen, die besonders realistisch wirken.

Ihren Ursprung finden die Filme mit Devil's Experiment im Jahre 1985. In den kommenden 3 Jahren folgen 5 weitere Teile, die sich in ihrer Aufmachung und Thematik jedoch teilweise drastisch unterscheiden. So wird in einem Teil heiter gefoltert, in einem anderen werden fiktive Krankheiten wie sprechender Kot vorgestellt.
Das bereits erwähnte Medieninteresse geht vorallem dadurch hervor, dass Schauspieler Charlie Sheen in den Filmen echten Snuff zu sehen glaubte und seinen Fund dem FBI meldete.
Desweiteren wurden die Filme in der privaten Sammlung des japanischen Serienmörders und Kannibalen Tsutomu Miyazaki gefunden, der den zweiten Teil (Flowers of Flesh and Blood) angeblich als Vorlage für seine Morde genommen haben soll.

Angekündigt als reale Aufnahmen, was durch die unprofessionelle Produktion unterstrichen wird, geht es in Devil's Experiment (1985) um eine Gruppe Sadisten, die eine junge Frau entführen und diese auf grausame Art und Weise foltern. Die Foltermethoden reichen hierbei von simplen Schlägen bis hin zum Herausreissen der Fingernägel. All das wird jedoch in einem außergewöhnlichen Gewand präsentiert: Wie bei einem Wettbewerb oder einer Sportart werden die Foltereskapaden durch einen schwarzen Bildschirm und einer kurzen Beschreibung ala "Schläge" oder "Eingeweide" eingeleitet. Auch einen kleinen Zähler der Schläge gibt es zu bewundern, was dem Gezeigten schon fast eine Art Komik verleiht. Eine Geschichte oder Rahmenhandlung gibt es nicht, ebensowenig hört man Hintergrundmusik o.ä., was ebenfalls zum "Snuff" beitragen soll.
Der Film leidet jedoch unter drittklassig angetäuschten Schlägen und dem teilweise sehr schlechten Spiel der Darsteller. Der finale Schmerzbringer hat es jedoch in sich und stellt das Herzstück des Films dar: Dem jungen Opfer wird mit einer geschliffenen Nadel durch die Schläfe das Auge ausgestochen. Der Gedanke an Snuff ist hierbei mehr als berechtigt, wirkt die Szene täuschend echt.
Devil's Experiment ist meines Erachtens kaum sehenswert. Für Gorehounds sicher ganz interessant, aber letztendlich stellt sich der Spaß nur als ein Vorspiel auf das folgende Werk heraus, der in Punkto Gore ein Referenzwerk darstellt.


Flowers of Flesh and Blood (1985) stellt den zweiten Teil und zugleich das Highlight der Reihe dar. Kaum ein Film ist derart explizit wie eben dieser Kandidat. Dazu sei gesagt, dass das Konzept des Vorgängers übernommen wurde. Auch hier wird der Eindruck eines Snuff-Films vermittelt, ist jedoch nicht ganz so plump und öde. Das hintergrundlose Täter-Opfer Verhältnis wurde beibehalten, anders als in Devil's Experiment gibt es jedoch nurnoch einen Folterherren mit leichten Zahnproblemen, der mit seinen pseudo-philosophischen Einlagen und der Samurai-Kluft für ungewollte Lacher sorgt.
Fast die gesamte Laufzeit ergibt sich daraus, wie das junge, betäubte Opfer Stück für Stück auseinandergenommen wird. Einen Sinn dahinter zu suchen halte ich für sinnlos, das handwerkliche Geschick kann man dem Film jedoch keinesfalls absprechen, da Trick und Realität hierbei kaum voneinander zu unterscheiden sind. Das blutige Handwerk wird mittels verschiedener Werkzeuge ausgeführt und in Kombination mit den damit verbundenen Geräuschen zu einem äußerst intensiven Erlebnis, was Zartbesaitete nach wenigen Minuten ausschalten lässt.
Meine Kritikpunkte liegen hierbei vorallem auf die fehlenden Störfilter, Unschärfen etc., die für einen noch realistischeren Eindruck gesorgt hätten. Die finale Sicko-Einlage, in welcher die Frau enthauptet wird und der Samurai genüsslich am Auge nuckelt, halte ich ebenfalls für sehr störend, entspricht diese nicht der Ästhetik des Films und wirkt somit einfach nur deplaziert und unnötig.
Verfügt man über einen unempfindlichen Magen und ist auf der Suche nach "ganz hartem Zeug", dann ist man hier an der richtigen Adresse. Was für Gorehounds ein Pflichtwerk darstellt, ist für alle anderen zu makaber.


Eingeleitet durch einen Mann im Anzug, wird He Never Dies (1986) als ein reales, wissenschaftliches Mysterium betitelt, was einem Mann in Tokio (dem Protagonisten des Films) zugestoßen sein soll.
Depremiert durch die langweilige und repetive Arbeit in einer Computerfirma, entschließt sich Hideshi dazu, seinem Leben ein Ende zu bereiten. Er versucht es mit einer klassischen Methode, dem Aufschneiden der Pulsadern. Als er bemerkt, dass die Blutung plötzlich stoppt und auch kein weiterer Schmerz zu vernehmen ist, kommentiert er dies mit einem tiefschwarzen "Das tut garnicht weh" und realisiert gleichzeitig, dass sein Suizidversuch fehlgeschlagen ist. Schnell stellt er sich die Frage, ob er überhaupt sterben kann, was er durch weitere Schritte feststellen will. Er entledigt sich seiner linken Hand, er schneidet sich die Kehle durch.. der Tod will sich jedoch nicht einstellen.
Angetrieben durch den unsterblichen Elan macht er sich nun Späße auf Kosten seiner Kollegen, die er mit seinen Eingeweiden bewirft und in dämonischer Stimmlage über seine Unsterblichkeit aufklärt.
Die Effekte sind in diesem Ableger etwas schlichter gehalten, das Abtrennen der Hand wirkt hier jedoch ebenfalls sehr realistisch. Die Aufmachung eines Snuff-Films wurde verworfen, stattdessen hat man es mit einer rabenschwarzen Komödie zu tun, die nicht an Blut und Gedärm geizt.
Für Leute mit schwarzem Humor oder Splatterfans sicherlich einen Blick wert.


Der vierte Ableger der Reihe, Devil Woman Doctor (1986), stellt sich als der "humorvollste" Teil heraus. Hier werden nämlich fiktive Krankheiten vorgestellt, die von der Kopfexplosionskrankheit, über sprechende Tumore bis hin zu Gedärmen, die ein Eigenleben führen, reichen. Die jeweiligen Heilungsmethoden der bizarren Doktorin/Moderatorin mit Turmfrisur sind nicht minder absurd und albern. Diese Aneinanderreihung des infantilen Humors kann, anders als der Rest der Guinea Pig-Reihe, nichteinmal mit besonders guten Splattereffekten aufwarten, haben diese hier ein sehr bescheidenes Niveau, welches dem vieler Amateurproduktionen entspricht. Viel mehr gibt es über diesen Teil auch garnicht zu sagen. Wer die Reihe komplett sehen möchte, soll sich keinen Zwang antun, allen Anderen rate ich von der Sichtung ab.


Weiter geht es also mit Android of Notre Dame (1988), der zwar ganz interessant klingt, aber außer ein paar guten Einfällen leider nicht viel zu bieten hat.
Ein kleinwüchsiger Einfallspinsel sucht in seinem Labor, das unter der Erde liegt, nach einer Heilungsmöglichkeit für die unerklärliche Krankheit seiner Schwester. Sämtliche Untersuchungen führt der kleine Mann an illegal beschafften Leichen aus, die er mithilfe eines korrupten Geschäftsmann erworben hat. Als eben jener auf die Idee kommt, seinen Kunden zu erpressen, wird dieser durch eine Falle umgebracht und stellt somit ein weiteres Versuchskaninchen für Doktor Zwerg dar. Durch Kabel und Maschinen am Leben gehalten, wird der abgetrennte Kopf des Geschäftsmann Zeuge der absurden Forschungen, die in diesem Labor stattfinden.
Dass sich der kleine Forscher oftmals einfach nur seinen perversen Gelüsten bzw. dem Spaß am Zerstückeln und Zerschneiden hingibt, wird bereits nach 15-20min. ziemlich offensichtlich und beraubt dem Film somit potenzieller Qualität und Chance auf eine japanische, dreckige Version Frankensteins. Auch wenn kein Teil der Reihe über hochkarätige Schauspieler verfügt, leidet vorallem hier die Ernsthaftigkeit der Handlung unter dem teilweise miserablen Spiel der Akteure. Die wenigen guten Ekelszenen sind somit das einzig Sehenswerte des Films. Kein kompletter Aus- bzw. Durchfall wie Devil Woman Doctor, trotzdem kein Film, den man gesehen haben muss. Gorehounds sollten trotzdem einen Blick riskieren.


Das Finale von Guinea Pig stellt meinen persönlichen Favoriten dar. Die Rede ist natürlich von Mermaid in a Manhole (1988), der sowohl unglaublich ekelerregend ist, als auch eine gewisse Schönheit ausstrahlt, die ich in der folgenden Rezension zu erläutern versuche.
Einsam und zurückgezogen lebt ein eifriger Maler, nachdem seine Frau ihn verlassen hat. In der örtlichen Kanalisation hat er lange zuvor Erinnerungen an sein früheres Leben in Form von diversen Gegenständen versteckt, die er zu Inspirationszwecken immer mal wieder aufsucht. Als er eines Tages mal wieder in den muffigen Abschnitt unter der Stadt hinabklettert, trifft er dort auf eine junge Meerjungfrau, die einer Infektion zu erliegen scheint. Der Maler entscheidet sich dazu, das fischinge Ding heim zu bringen, um es dort zu heilen.
In der Badewanne des Malers teilt die Meerjungfrau ihm seine eigentliche Mission mit: In ihrem Körper befinden sich 7 Farben, mit denen sie gemalt werden möchte. Voller Eifer malt er das verrottende Ding mit den Farben, die er zuvor aus den riesigen Eiterpusteln der Meerjungfrau gewonnen hat. Mit zunehmender Verwesung kommt es sogar dazu, dass Unmengen von Würmern und anderem Ekelzeug aus ihren Körper austreten.
Was nun natürlich sehr widerlich klingt, ist es auch. Dennoch ist die Entstehung der Malerei, die parallel zur vorranschreitenden Verwesung und dem naheliegenden Tod läuft, sehr schön dargestellt, was nicht zuletzt durch sehr farbenreiche Bilder gelingt.
Der ernste Ton zieht sich durch den gesamten Film, wenngleich stellenweise schon fast ein comicartiger Look herrscht. Sehr schön finde ich vorallem die bebilderte Darstellung der Vergangenheit und der Gegenwart des Malers. All die schönen Erinnerungen aus seiner Kindheit werden mit farbenfrohen Malereien an einem Fluss gezeigt, das jetzige, heruntergekomme Leben wird anhand von grotesken Bildern mit sehr dunklen und ungesättigten Farben dargestellt. Die eher dürftige Handlung des Films ist in Anbetracht der gelungenen Aspekte zu entschuldigen, vorallem mit dem Hintergedanken, dass es sich hierbei immernoch um einen Kurzfilm mit einer Laufzeit von ungefähr 57min handelt.
Auch wenn Mermaid in a Manhole ein wirklich sehr spezieller Film ist, spreche ich eine klare Empfehlung an neugierige Leser aus. Wem der Film doch zu makaber wird, kann ja immernoch ausschalten. Einen Blick sollte man jedoch mal riskieren.


Zusammenfassend lassen sich die Filme als ein Werk beschreiben, dass durchaus viele gute Aspekte zu bieten hat, für die meisten Zuschauer jedoch einfach zu speziell und brutal ist. Die klaren Höhepunkte der Reihe sind Flowers of Flesh and Blood sowie Mermaid in a Manhole.
Neben den eigentlichen Filmen wurden über die Jahre noch 2 Making-Ofs sowie 2 Best-Ofs veröffentlicht, die in diversen Boxsets zu finden sind. Was Veröffentlichungen angeht, so stellt die deutsche DVD-Box von Devil Pictures, die ich bereits vorgestellt habe, wohl die bestmögliche dar, ist jedoch schon lange vergriffen. Zu finden ist der Eintrag unter folgendem Link: Klick
Alternativ gibt es noch etliche Veröffentlichungen aus dem Hause XT Video, die größtenteils für vernünftige Preise zu erwerben sind.


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